Public Affairs Management und strategische Partnerschaften

Public Affairs Management baut ganz wesentlich auf Beziehungsarbeit in der Politik und mit der Öffentlichkeit. Die Bildung von strategischen Partnerschaften ist eine Frage des strategischen Kalküls aber auch der praktischen Umsetzung: man steht zusammen, spricht im gemeinsamen Interesse mehrerer Gruppen und mit einer starken Stimme. Eine solche Zusammenarbeit bietet für beide Seiten oft Vorteile und kann die Wirksamkeit einer gemeinsamen Interessenvertretung wesentlich erhöhen:

  • Mehr Kompetenzen: Austausch von Erfahrung und Wissen
  • Größere Kapazitäten: Erhöhung der Ressourceneffizienz und -effektivität
  • Bessere Kommunikation: Stärkung der Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit

Die Zusammenarbeit

Es gibt ein breites Spektrum, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann: sehr eng in Form eine Allianz oder einer Koalition, man koordiniert gemeinsame Aktivitäten über eine Kooperation oder man tauscht lediglich Informationen innerhalb eines Netzwerks miteinander aus; die Zusammenarbeit kann vorübergehend und projektbezogen sein oder aber auch längerfristig dauern; sie kann auf eine spezielle Initiative fokussiert sein oder aber auch ein ganzes Bündel an gemeinsamen Maßnahmen umfassen; sie kann geografisch und/oder thematisch eingegrenzt werden etc.

Wie auch immer, die Entscheidung, ob und wie eine strategische Zusammenarbeit aufgebaut oder einer bestehenden Kooperation beigetreten werden soll, muss im Vorfeld sehr gut überlegt und vorbereitet werden:

  • Die Notwendigkeit: Bedeutung der Zusammenarbeit und ihr strategisches Potenzial und Risiko
  • Die Kompatibilität: Klarheit der gemeinsamen der Ziele, Interessen und Wertvorstellungen
  • Die Arbeitsprinzipien: Kohärenz der Führungsstrukturen und Steuerung der gemeinsamen Planung, Umsetzung und des Konfliktmanagements

Die Reflexion

Eine Zusammenarbeit braucht eine Partnerschaft mit einem Mindestmaß an gemeinsamen Werten, gegenseitiger Rechenschaftspflicht und natürlich gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Partnerschaft auf Augenhöhe bedeutet Wahrung und Gewährung von Verantwortlichkeiten auf beiden Seiten:

  • Wie können wir unsere und deren Identität wahren?
  • Wie können wir die Zusammenarbeit unterstützen?
  • Wie können wird das Team zusammenzubringen und zusammenhalten?
  • Wie können wir die Beteiligung von allen gewährleisten?
  • Wie können wir einen eventuellen Stillstand überwinden?
  • Wie werden wir wissen, wann es Zeit ist, wieder auszusteigen?

Die Partnerschaft

Kooperationsstrategien können eine gemeinsame Interessenvertretungspolitik entscheidend stärken. In dem Ausmaß wie die Aufmerksamkeit erhöht wird, steigt aber auch die Herausforderung der Zusammenarbeit. Kooperationen sind dann wirksam, wenn sich ihre Bündnispartner auf eine gemeinsame und gegenseitig respektierte Agenda einigen können. Bei der Bildung von strategischen Partnerschaften muss sorgfältig darauf geachtet werden, wer eingeladen wird, sich anzuschließen und auch, wer eben gerade nicht dabei sein kann. Letzteres will gut überlegt und abgesichert sein, damit man sich nicht zufällig eine verärgerte/gekränkte Gegnerschaft heranzieht.

Netzwerke sind Handelswege für Informationen und Kontakte – nach innen wie nach außen. Sie bilden einen Pool, um strategische Partnerschaften entwickeln zu können – auf informeller und auf formeller Ebene. Netzwerke wachsen und leben mit persönlichen Beziehungen, wechselseitigen Erfahrungen und gegenseitigem Nutzen daraus. Welche Stakeholder-Gruppen und Einzelpersonen im Hinblick auf Kommunikation und Interessenvertretung wichtig sind, das zu erkennen und auszuarbeiten, ist Aufgabe von Public Affairs Management. Diese Beziehungsarbeit ist der Schlüssel, um immer zeitnah informiert zu sein und Unterstützung mobilisieren zu können. Beziehungen sind die Grundlage für die Entwicklung von tragfähigen Netzwerke und strategischen Partnerschaften.

Netzwerke müssen entwickelt, gepflegt und v.a persönlich ansprechbar werden. Sie benötigen viel Vorbereitung und Weitsicht bereits im Vorhinein, um rechtzeitig mit der gewünschten Unterstützung rechnen zu können. Soziale Kompetenz und Intelligenz sind dabei genauso gefragt wie Verhandlungsgeschick und Kommunikationsstärke. Der direkte und vertraute Kontakt ist dabei grundlegend.  Aber Achtung: ein Netzwerk ist immer ein Nutzenkonstrukt und weniger eine „Familie“; ein persönlicher Kontakt kann strategisches Vorgehen, Fachwissen und die Bereitschaft zur Gegenleistung nicht ersetzen.

  • Erwartungshaltungen klären: Welche Netzwerke sind relevant? Was sind meine Netzwerkziele?
  • Stakeholder-Analyse ausarbeiten: Wo gibt es Kontakte? Wo gibt es gravierende Lücken und müssen Beziehungen aufgebaut und erneuert werden? Und Warum?
  • Zusammenarbeit selektieren: Wer sind die Unterstützer und potentiellen Partner? Was sind deren Bedürfnisse und Interessen? Gibt es Win-Win Situationen?
  • Kontakte aktivieren: Wie und wo können Beziehungen ausgebaut oder aufgebaut werden?
  • Netzwerkkontakte pflegen: Wie geht’s wem? Wer kennt wen? Wer soll einander bekannt gemacht werden? 

    Checklist Strategische Partnerschaften