Framing in der Politik

Die politische Debatte ist voll von Frames. Framing wird genutzt:

  • zur Interpretation des politischen Moments und
  • zur Rechtfertigung von politischen Handlungen.

Zur Wiederholung: Frames bestimmen Fakten. Fakten erhalten durch Frames erst ihre Bedeutung. Frames funktionieren immer dann ganz besonders, wenn die Simulation im Gehirn dabei auf ganz konkrete  Erfahrungen und körperliche Empfindungen zurückgreifen kann.

ABER: Alles was mit „Regieren“ oder „Nation“  oder „Politik“ im allgemeinen zu tun hat, kann in der Regel nicht auf eine direkte körperliche Empfindungen zurückgreifen – wie sehen, schmecken, riechen, fühlen …

Worauf kann sich das politische Gehirn also beziehen, um die Abstraktheit und Fragen zur Rentenpolitik, der Steuerpolitik oder Migrationspolitik zu erfassen?

Verwendung von Sprachbildern

zB. Framesemantik: bei der Rentenreform wird einem schlecht; Steuererhöhung für Reiche sind abstoßend;

Framing in der Politik nutzt sehr gerne das Konzept der physischen Reinheit, um über Moral zu denken und über gut oder schlecht zu entscheiden. Solche bewertenden Aussagen werden in dem Moment im Gehirn als körperliche Erfahrungen bewertet und am Beispiel „Rentenreform“ wie „Ekel“ simuliert (neuronale Simulation). Das Gehirn aktiviert genau die gleichen Areale, wie die tatsächliche körperliche Erfahrung bei Übelkeit „schlecht“ oder Ekel „abstoßend.

„Eckelmetaphern“ und „Reinheitsmetaphern“ greifen eher im rechtspolitischen Diskursen  und funktionieren dort auch besser. Das konservative Gehirn ekelt sich stärker als das progressive Gehirn. Damit reagiert das konservative Gehirn empfindlicher, emotionaler und in der Folge auch abwehrender.

Wenn das Gehirn des Gegenübers/des Publikum immer wieder daran erinnern wird, dass dies oder das „abstoßend“, „ecklig“ ist, dann werden diese tendenziell auch nach rechts geschoben.

Eine ähnliches Bild ergibt sich am aktuellen Beispiel der Asyl- und Migrationspolitik:

zB Framesemantik: Flüchtlingskrise; Flüchtlingswelle; Flüchtlingsflut; Flüchtlingsstrom; 

Was passiert in den Köpfen, wenn wir von der Flüchtlingswelle sprechen?Wasser ist eine Naturgewalt, die Flut ist etwas unaufhaltsames. Schutz bieten lediglich Dämme . In der Folge: ein  Flüchtlingswelle wird als etwas  bedrohliches wahrgenommen. Durch Abschotungen kann dem entgegengewirkt werden.

Abrufung von Wertekonstrukten

zB Framesemantik: „Familie ist die Keimzelle des Staates“; Wir schaffen das.

Welche Regierung braucht das Land? Die politische Kommunikation beantwortet diese Frage sehr gerne mit einem Rückgriff auf die Familien-Erfahrung: das ist grundlegendste Erfahrung die ein fast jeder Mensch macht, wenn es darum geht, einer Gruppe zugehörig zu sein, Autoritäten anzuerkennen oder sich aufgehoben zu fühlen?

Die Familie ist die eindrücklichste Erfahrung, um zu erfahren dazu zu gehören, Leute mit im Boot zu haben, die das sagen haben, oder Entscheidungen zu akzeptieren. Die Familie ist die Domäne der direkten Welterfahrung auf die sich Menschen am stärksten stützen, wenn sie darüber nachdenken wollen, was in einem nationalen miteinander richtig oder falsch ist.

Familien-Erfahrungen, Familienwerte bestimmen demnach die grundlegenden politische Werte und damit politische Positionen. Diese individuellen Verankerungen sind wieder der Maßstab, wie bspw. politische Programme und deren Kommunikationsarbeit aufgesetzt werden sollen.

zB. Strenges FamBild = strenge Weltsicht = konservatives Gehirn; Donald Trump „Big Daddy“; I’m the boss.

zB. Fürsorgliches FamBild = fürsorgliche Weltsicht = progressives Gehirn; Angela Merkl „Mutti“; wir schaffen das.

Framing in der Politik – Familienbild und Weltsicht (vgl. Elisabeth Wehling, re:publica 2017)

Achtung: Wer Frames negiert, der aktiviert sie!

zB Trump vs. Hillary – woman card; Fake news – We are not fake news.

Durch die Verteidigung in den Medien, werden Begriffe/Frames erst so richtig aufgeladen, das Meinungsbild verfestigt sich und wird wiederholt propagiert (Polarisierung; Medienpräsenz UND Publikumswirksamkeit).  Wer rechtfertigt, verliert.

zB. Beispiel: Framing rund um „Obmacare“

Faktenlage: Meinungserhebungen haben dargestellt, dass die Menschen im USA faktisch ein Gesundheitsprogramm wollen.

Demokraten: Obama hat Faktenlage dargestellt und als Lösung sein Programm vorgestellt – im Vordergrund stand das Problem ohne Framing.

Republikaner: Framing genützt: ideologische Unterbau Leistungsdenken („Verankerung“):

  • Gesundheit ist ein Produkt, Gesundheit muss man sich verdienen um es isch leisten zu können.
  • Gesundheit ist eine Freiheitsentscheidung. Obmacare schreibt aber vor, wie jemand sein Geld auszugeben hat.

Quellen:

Wehling, Elisabeth (2016), Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet und daraus Politik macht. Köln: Halem.

Wehling, Elisabeth (2017), Die Macht der Sprachbilder – Politisches Framing und Neurokognitive Kampangenführung, re:publica – media convention Berlin, am 8. Mai 2017, session politics&society, https://youtu.be/3tuaXaXJ02g (aufgerufen am 17.10.2017)